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Langenorla erinnert
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  1. #1
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    Langenorla erinnert

    Am 08 Mai finden in Langenorla verschieden Veranstaltungen zum Gedenken an das Ende des 2. Weltkrieges statt. U.a. wird ein Militärcamp der US Armee aufgebaut. Die US Armee befreite Thüringen, das später der russischen Besatzungszone angegliedert wurde. In Langenorla wurden viele Zwangsarbeiter untergebracht die in Kahla/Großeutersdorf arbeiten mussten, auch diesen Opfern wird gedacht. Die Gemeinde stellt ein großes Programm auf die Beine um viele Facetten des Kriegsendes zu beleuchten.

    Nun sollte man meinen das eine Veranstaltung zum Zwecke des Gedenkens und der Aufklärung überall Zustimmung finden sollte aber es gibt auch hier Personen die die Veranstaltung für nicht angebracht halten. Überraschung, der Protest kommt von der Linken. Genauer gesagt von der Linken Landtagsabgeordneten Heidrun Sedlacik. Sie hat u.a auch den Thüringer Landtag mit einer mündlichen Anfrage (PDF) über dieses Thema beschäftigt.

    Ich finde die Kritik extrem unangebracht. Eine Gemeinde betreibt viel Aufwand um das Andenken an die damalige Zeit des Krieges und der Befreiung den Leuten nahe zubringen und das mit viele Facetten. Ja, damals war Krieg und Militärgerätschaften zu zeigen gehört zum Gesamtbild dazu. Die Möglichkeit mit Veteranen von beiden Seiten zu sprechen ist umso wichtiger als das es in absehbarer Zeit keine Zeitzeugen mehr geben wird. Ich wünsche dieser Veranstaltung großen Erfolg bei Alt und Jung.
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  2. #2
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    Hätte Frau Sedlacik auch so einen Aufstand gemacht wenn anstelle der US-Truppen die “kommunistischen Brüder” der Roten Armee zu bestaunen wären?!? Wohl eher nicht. Hier hätte sie sich womöglich noch für einen persönlichen Besuch des Erlösers Stalin eingestzt…
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  3. #3
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    Das Interesse an historischen Fahrzeugen wie an geschichtlicher Aufarbeitung kann ich sehr gut nachvollziehen. Aufgezeichnete Geschichte muss permanent hinterfragt werden! So auch die Befreiung unserer Region vom Hitlerfaschismus. Dazu gehört aber auch die Frage, warum es einen Deal zwischen Amerikanern und der Sowjetunion gegeben hatte, welcher die Übergabe diverser Gebiete an die sowjetische Besatzungszone beinhaltete. Graben wir hier tiefer, wäre es den Veranstaltern mit ihrer Aufklärung sicherlich nicht mehr so wichtig. Trotzdem werden sich an diesem Tag viele Menschen auf den Weg in das “Militärcamp” machen. Hat es doch seinen Reiz originalen Fahrzeugen jener Zeit unter die Haube zu schauen, mit den Haltern über die Technik auszutauschen oder auch die Gelegenheit wahrzunehmen, einmal mit einem solchen Fahrzeug zu fahren. Technik und Geschichte lebendig erleben. Sehe ich absolut ein! Schließlich besitze ich selbst einen LandRover, Baujahr 1949. Und im LandRover Club gibt es eine Sparte für Ex-Military LandRover. Deren Fahrer kommen bisweilen in Uniform und tarnen das Camp mit Netzen und dergleichen. Dort bleibt es allerdings ein Spiel unter Gleichgesinnten. Unter gegebenen Bedingungen ist eine solche Veranstaltung äußerst grenzwertig! In einer Zeit, da der deutsche “Kriegs”minister Guttenberg sagt, die Deutschen müssten sich daran gewöhnen dass Krieg zur Normalität gehöre, deutsche Soldaten, blutjunge, verführte und betrogene Menschen in Särgen nach Hause kommen, die Bundeswehr immer häufiger in der Zivilgesellschaft inszeniert wird, Kanonenfutter bereits in den Schulen, Universitäten und auf Berufsmessen rekrutiert wird, bleibt bei jeder Veranstaltung dieser Art ein bitterer Beigeschmack! Gerade die Reaktion verantwortlicher Organisatoren auf Kritik zeigt, dass ihnen der militaristische Charakter durchaus bewusst und der Tag insgesamt Teil der Militarisierung der Zivilgesellschaft ist! Der Spaß hört spätestens auf, wenn ein Heeresmusikkorp und Bands der US-Armee aufmarschieren, wenn Schützengräben ausgehoben und Waffen mitgeführt werden dürfen! Dies ist peinlich! Dies ist eine Schande für Langenorla. Ich werde trotzdem vor Ort sein – um die Sache zu dokumentieren! Glaubten wir nicht, seit 20 Jahren propagandistische Bilder von Soldaten mit kleinen Kindern auf dem Schoß hinter uns zu haben?
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  4. #4
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    Egal welche Verherrlichung von Armee, ob Bundeswehr, Amerikaner oder Russen finde ich persönlich und gerade in der heutigen Zeit wo deutsche Soldaten in aller Welt beim Krieg “spielen” dabei sind ganz offen gesagt zum kotzen. Nach dem Ende des II. Weltkrieges gab es mal die Bemühung und Hoffnung, dass nie wieder Krieg von deutschem Boden ausgehen soll. Jetzt treibt sich die Bundeswehr schon auf Computerspielemessen herum, um Kanonenfutter für Afghanistan anzuwerben. Und in diesem Kontext zum Tag der Befreiung das Heeresmusikkorps der Bundeswehr aufspielen zu lassen empfinde ich als äußerst bedenklich!
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  5. #5
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    Leider sind wir aber soweit das allein eine Gedenkveranstaltung kein Publikumsmagnet ist. Sicher ist die Philosophie die Menschen durch militärische Belustigung zu einer Gedenkveranstaltung zu bringen nicht gerade gut. Aber Kriegsverherrlichung? Diese Interpretation ist völlig übertrieben! und kann in dieser Form auch nur von einer Seite kommen…
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  6. #6
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    Also den Bogen von einer Gedenkveranstaltung für das Ende des 2 Weltkrieges zum Kriegseinsatz der Bundeswehr zu schlagen geht ein wenig am Thema vorbei, finde ich.
    Was dort zu erleben ist ist Geschichte. Diese Fahrzeuge und Waffen kamen damals zum Einsatz so ist es nun mal, es ist ganz normal das ganze auch auszustellen.
    Das ganze wird nicht aus dem Kontext gerissen sondern in eine Gedenkveranstaltung eingebaut. Ein hervorragende Idee finde ich.

    Zum Einsatz der Bundeswehr. Sicher ist es bedenklich wenn die Streitkräfte auf Messen (wie z.B. auch auf der Saale Orla Schau vor ein paar Jahren) aber Leute die sich länger bei der Bundeswehr verpflichten wissen was sie tun und das sie auf Auslandseinsätze gehen. Niemand wird gezwungen (länger) zur Bundeswehr zu gehen. Und sie spielen dort nicht Krieg, es ist Krieg und beileibe kein Spiel.

    Und nun das unpopulärste: Ja, auch Deutschland sollte Soldaten in Krisengebiete schicken (Marine vor Somalia, Afghanistan, …). Deutschland lebt nicht auf einer Insel der Friedseligkeit, Das wir seit mehr als einem halben JH in Europa kein Krieg hatten ist geschichtlich ein extremer Sonderfall in der ganzen Welt. (Nun vielleicht Australien ausgenommen ;-) ). Das entbindet uns aber noch lange nicht von internationalen Einsätzen. Zum Schluss: Ich heiße den Verlauf in Afghanistan nicht für gut, dort sind viele Fehler gemacht worden und ein Ausstiegsplan fehlt immer noch aber es war meines Erachtens richtig dort zu intervenieren .
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  7. #7
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    Auslandseinsätzen der Bundeswehr zuzustimmen, halte ich nach wie vor für einen grundlegenden Fehler. Warum? Weil die Gründe für die Einsätze imperialistischen Ursprungs sind. Die Statuten der Bundeswehr sagen ganz klar, dass diese Armee neben dem Schutz Deutschlands auch der Sicherung der Versorgung mit Rohstoffen dient. Und um nichts weiter geht es. Ginge es um Menschenrechte, Freiheit und wenigstens die Art Demokratie die wir hier haben, wieso wurde nicht ein Soldat nach Sudan geschickt, all die Monate in denen die Ärzte ohne Grenzen auf die Entrechtung, Vertreibung und Ermordung der schwarzen Bevölkerungsteile durch die Arabische Herrschaft hinwiesen? Wieso wurde erst medienwirksam interveniert, als China die Pipeline nach Port Sudan fertiggestellt hatte, wodurch nicht nur Investitionen gespart wurden, sondern auch der Zugang Chinas an sudanesisches Öl kontrolliert wird?
    Ähnlich ist es mit Afghanistan. Nach dem Ende des kalten Krieges, als die Taliban vom Westen fallen gelassen wurden, reagierten diese mit der Verachtung des Westens. Als die Pipeline durch Afghanistan wieder interessant wurde, bekamen vor allem die Ölmultis in den USA Probleme. Es hat einige Jahre gedauert, aber dank 11. September 2001 hat´s ja dann geklappt… Bis heute hat sich die Situation der Menschen nicht verbessert. In Kabul, unter dem Schutz des Militär mag es einer kleinen Gruppe Afghanen ganz gut ergehen. Leute die Geld haben. Aber im gesamten Rest des Landes leiden die Menschen unter der Besatzung wie unter den Taliban wie unter russischer Besatzung,… Jeder deutsche Soldat ist ein Besatzer und wird als solcher nicht geduldet! Nenne mir ein Volk das sich auf Dauer nicht gegen fremde Besatzer zur Wehr setzt!
    Werfen wir noch einen Blick nach Kongo. Auch dort schickte man die Bundeswehr, angeblich um demokratische Wahlen zu sichern. Wegen der Präsenz ausländischer Truppen im Auftrag eines Massenmörders und Diktators Kabila, kann man wirklich nicht davon ausgehen dass die Menschen im Kongo frei wählen konnten. Es ist kein Geheimnis dass in den Gebieten der Opposition viele Menschen sich nicht trauten zur Wahl zu gehen. So half unsere Armee einem Verbrecher an der Macht zu bleiben. Logisch. Verfügt Kongo schließlich über wichtige Rohstoffe für die deutsche Wirtschaft. Tantal benötigt man für elektronische Geräte, Mobiltelefone, Computerchips… Niob ist wichtig für die Rüstungsindustrie und für den Bau hitzebeständiger Teile für Düsenflugzeuge oder Raketen. Aber auch Gold, Diamanten und andere Bodenschätze sind im Kongo. Deutsche Unternehmen haben lukrative Verträge mit Kabila, welche gefährdet wären wenn es einen Regierungswechsel gibt.
    So wüsste ich keinen Bundeswehreinsatz der primär mit Menschenrechten zu tun hätte. Mal ganz abgesehen davon wie realistisch es ist, mit Soldaten Frieden und Freiheit zu erkämpfen. Nein, die Bundeswehr hat ebenso wenig wie jede andere Armee etwas in Afghanistan oder sonst irgendwo zu suchen. Holt die Soldaten nach Hause! Sofort! Die Afghanen müssen sich selbst um ihre Geschicke kümmern. Helfen kann man ihnen dabei, sofern gewünscht. Aber niemals mit Soldaten oder Waffen. Es bringt mich zu Weißglut wenn behauptet wird, die Menschen in Afghanistan wären nicht in der Lage einen Staat zu schaffen. Auch dort gibt es Strukturen jeder politischer Strömung die selbstbewusst für ihre Überzeugungen stehen. Sie kommen sehr gut ohne die Bundeswehr aus. Tut nicht immer so, als seit ihr besser, cleverer, erfahrener oder weiter entwickelt als die Afghanen. Die Afghanen sind genauso wie es die Bedingungen erfordern. Wie denkt ihr, wäre es in Europa unter ähnlichen Verhältnissen? Und würden wir nicht auch wollen, unsere Geschicke selbst zu bestimmen? Würden wir nicht auch die fremden Soldaten loswerden wollen wenn trotz deren Anwesenheit die Lage nicht besser wird, stattdessen die Besatzer mit den Warlords kollaborieren? Auch die Bundeswehr macht gemeinsame Sache mit Drogenbaronen und kleinen Herrschern. Also mit denen, die verantwortlich für die anhaltende Armut und gesellschaftlichen Druck sind. Andernfalls wären weit weit mehr deutsche Soldaten getötet worden. Aber das holen die Taliban nun nach. Und es schließen sich den Taliban immer mehr Menschen an, auch solche, die früher noch unter ihnen gelitten haben. Macht hat der, der Widerstand leistet. Gegen die Besatzer zu kämpfen ist die einzige Legitimation der Mächtigen. Niemand kann sich dort militärisch durchsetzen. Wer für den Bundeswehreinsatz in Afghanistan ist, ist auch verantwortlich für den Tot von immer mehr Soldaten, für zunehmenden religiösen Fundamentalismus und Unterdrückung, gerade von Frauen und Kindern. Ihr erreicht genau das Gegenteil von dem was ihr vorgebt erreichen zu wollen.
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  8. #8
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    Gleich als ich auf den Absenden Button klickte habe ich meinen Kommentar ein wenig bereut, da ich mit einem solchen Kommentar rechnete.
    Nicht weil ich meine Meinung hier veröffentlichte, sondern weil es nicht das Thema ist.

    Das Thema des Artikels sind nicht die Auslandseinsätze der Bundeswehr sondern eine Gedenkveranstaltung in Langenorla zum Ende des 2 WK.
    Es tut mir ein wenig Leid diese Fass aufgemacht zu haben, da hier nicht der Platz ist es zu diskutieren.
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  9. #9
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    Amtliche Ausrede des Afghanistan-Einsatzes ist die Terrorbekämpfung. Die Frage die sich stellt ist doch warum man Angst vor Terror hat, oder was man falsch gemacht hat das man terroriesiert wird. Ich bin auch für einen Abzug der Soldaten. Aber nur aus dem Grund weil man nicht versuchen sollte einem Land eine Form des Zusammenlebens aufzudrängen. Das hat man bei uns in Dtl. auch schon oft versucht… Man kommt dabei aber in einen Konflikt wenn wan sieht wie in diesem Land Menschenrechte massiv missachtet und verletzt werden. Da fällt es einem schon schwer zu sagen: “dann lasst sie halt machen. sollen sie sich selbst helfen, sich selbt bestimmen.” Nun ist auch nicht so das Dtl. dort einen alleinigen Krieg führt. Wir sind Teil einer internationalen Schutztruppe. Wir haben einen Bund und Verbündete und auch hier gibt es Regeln. Dieser Bund sieht aber in erster Linie keine wirtschaftlichen Hindergründe ein Land zu “besetzen” Es gibt genügend Menschen in Afghanistan die die Hilfe, auch der Bundeswehr, schätzen und brauchen. Das man beim Kampf gegen den Terror auf der Stelle tritt, der Afghanischen Bevölkerung keine Stabilität gibt und somit die Deutschen Soldaten wegen Konzeptlosigkeit im Stich lässt ist unverantwortlich. Entscheidenter als den wirtschaftlichen Hindergrund eines Krieges sehe ich hier die fundamentale religiöse Vernarrtheit der Taliban. Hier geht es doch nicht um Geld oder Macht, hier geht es um Religionskriege!
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  10. #10
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    @Andreas
    Es brauch nicht leid zu tun dieses Thema aufgemacht zu haben. Schließlich hatte ich ja in meinem ersten Beitrag damit angefangen. Und zwar weil ich sehe, dass es zwischen den Einsätzen der Bundeswehr im Ausland und der Inszenierung der Bundeswehr in der Zivilgesellschaft einen Zusammenhang gibt. Guttenberg hatte es doch offen ausgesprochen. Die Frage die mich persönlich bei dem Kriegscamp in Langenorla umtreibt, ist der militaristische Charakter der Veranstaltung. Selbst wenn es keine Propagandaveranstaltung ist und die Organisatoren es ehrlich meinen, bleibt es unter derzeitigen Bedingungen höchst kritisch! Aber die Anwesenheit des Musikkorps der Bundeswehr und die Sache mit den Waffen und Schützengräben geht eindeutig über geschichtlich Aufklärung und Volksfestcharakter hinaus und sprengt ganz klar den Rahmen einer Gedenkveranstaltung. Wäre dieses Militärcamp an einem anderen Wochenende gewesen, hätte es sicherlich nicht erst das Geschrei gegeben.

    @Thomas
    Es wird nicht verwundern dass ich auch hier eine etwas andere Haltung habe. Natürlich begrüße ich Deine Forderung nach einem Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan! In der Begründung unterscheiden wir uns ein wenig. Sei´s drum. Aber in dem Punkt “Religionskrieg” irrst Du Dich nach meiner Auffassung. Auch wenn die Taliban von religiösen Hardlinern geführt werden, ist die Ursache der Konflikte nicht religiöser Art. Noch nie wurden Kriege wegen Religionen geführt. Aber Religionen mussten schon immer für die Begründung herhalten. Wie sonst hätte man die Massen von der Notwendigkeit eines Krieges überzeugen können? Auch bei den Taliban geht es lediglich um Macht! In Nordirland geht es nicht um Katholiken und Protestanten, sondern um die Beendigung der britischen Vorherrschaft in Irland. Bei den Kreuzzügen ging es nicht um das heilige Land, sondern um Macht und neue Ländereien aus denen man Steuern pressen kann. Als die Römer auf Anglesey die Druiden abschlachteten ging es nicht darum die Religion der keltischen Bevölkerung Britanniens zu vernichten, sondern deren Widerstand zu brechen.
    Natürlich spielen Religionen auch immer wieder merkwürdige Rollen in der Geschichte. So kann eine Religion einmal eine progressive revolutionäre Kraft sein und unter veränderten Bedingungen kann die gleiche Religion konservativ und reaktionär sein. Zum Beispiel der Katholizismus. In Lateinamerika war er die treibende Kraft für die Revolution. In Europa ist die katholische Kirche eher hinderlich für fortschrittliches Denken. Oder der Islam. Einst ging vom Islam die Aufklärung und Wissenschaften wie Medizin, Astronomie und Chemie aus. Heute dient der Islam vor allem als Zuflucht nach der Enttäuschung mit den Importen des Kapitalismus und Sozialismus. Aber nicht nur. Auch fortschrittliche Strömungen wie die ArbeiterInnenbewegung in Ägypten sind überwiegend muslimisch. Hier schöpfen die Menschen ihren Mut für die sozialen Kämpfe und zeigen einen offenen, reformistischen Umgang mit ihrer Religion.

    Also, es geht nicht um Religionen sondern stets um Macht, Geld, Absatzmärkte, Rohstoffe,… Und zwar schon seit es Kriege gibt und so lange es Kriege geben wird.

    Auch dies ein Grund, weshalb ich jede Militarisierung der Zivilgesellschaft kritisch beurteile. Wozu, wenn man keinen Krieg führen will?

    Und ich möchte nochmals darauf hinweisen, dass mir der Krieg bekannt ist. Es ist immer erbärmlich! Für alle Beteiligten! Das Statement dass es nicht schön aber notwendig ist, ist einfach nicht wahr. Entweder lügen diese Leute oder sie ignorieren die Wahrheit. Letzteres können sie nur deshalb tun, weil sie nicht vom Krieg betroffen sind. Ich bleibe dabei, Krieg gehört zu den schlimmsten Verbrechen der Menschheit. Es gibt keinen rationalen Grund dafür. Es muss immer anders möglich sein, Probleme aus der Welt zu schaffen.

    Und um auf die Taliban zurückzukommen, wer hatte denn die religiösen Kämpfer ausgerüstet und nach Afghanistan geschickt? Und wer hatte diese Leute nach erledigter Arbeit verraten? Aber dann jammern wenn die eigenen Waffen und Methoden gegen sich selbst verwendet werden. Ich verteidige nicht die Taliban, Warlords und Drogenbarone! Aber ich verteidige das Recht der Afghanen auf Selbstbestimmung. Dies geht ganz klar einher mit dem Völkerrecht. Die Besatzung tut dies nicht. Im Übrigen steht den Afghanen nach dem Völkerecht auch das Recht auf bewaffneten Widerstand zu. Mal nebenbei bemerkt. Wenn man das weiß, frage ich mich, warum man dann noch immer in Afghanistan ist?
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