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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Interview mit Sabine Aichele-Elsner zum Kunstprojekt Toleranzgrenze



PN-Blog
05.05.2013, 14:00
Ich habe mit der Koordinatorin des Kunstprojektes TOLERANZ Grenze ein E Mail Interview geführt. Das Kunstprojekt wird auf einem städtischen Grundstück,neben dem Schützenhaus, 8 Schilder aufstellen um zu zeigen das die Pößnecker Toleranzgrenze hier verläuft. Das Schützenhaus wurde nach langem juristischem Streit wieder dem Rechtsanwalt Jürgen Rieger zugesprochen.

Für das Kunstprojekt können Entwürfe und Vorschläge für die Schilder bis zum 10. Februar eingesandt werden. Ab dem 20. Februar werden die Kunstprojekte, im Steinweg 14/16, ausgestellt und können von der Bürgern begutachtet und kommentiert werden.

Hier nun das Interview:

1.) Wie und wann ist der Verein Pößneck Attraktiver an Sie herangetreten bzw. Wie haben sie Kontakt zu dem Projekt bekommen?

Seit fünf Jahren bin ich in Pößneck kultur-aktiv. Das Pößnecker Hoffest (mehr Infos hier: http://www.artae.de/aktionen.html ) wurde z.B. von mir initiiert und es entstanden daraus in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Pößneck der Fahnenrundgang und das Riesenleporello. Durch diese langjährige Erfahrung in Pößneck, habe ich mitbekommen, dass der Verein Pößneck Attraktiver e.V. gegründet wurde und wurde persönlich angesprochen, ob ich Mitglied werden möchte, was ich auch seit 2008 bis heute sehr gerne bin. Als Mitglied dieses Vereins überlegt man natürlich, was man in Pößneck machen kann. Dass bezüglich des Schützenhauses und seiner Geschichte
Zeichen gesetzt werden müssten, liegt auf der Hand. In enger Zusammenarbeit mit der Stadt Pößneck wurde das Projekt von Anfang an vom Verein Pößneck Attraktiver e.V. mitentwickelt.

2.) Waren Sie mit der Resonanz und den bisher eingesandten Werken zufrieden bzw. haben sich ihre Erwartungen erfüllt (in Quantität und Qualität der Einsendungen) ?

Mit der Resonanz und den bisher eingesandten Entwürfen bin ich sehr zufrieden. Da der Einsendeschluss der 10. Februar ist, kann ich zur Quantität noch nicht abschliessend etwas sagen. Die Qualität ist wie bei allen Wettbewerben sehr unterschiedlich.

3.) In der OTZ war von wenig Resonanz aus Pößneck die Rede. Können sie das bestätigen? Wenn Ja, wodurch erklären sie sich das geringe Interesse an dem Kunstprojekt?

Ja, der Artikel ist richtig und hat zugleich dafür gesorgt, dass sich einige Pößnecker meldeten und nach den Anmeldeformularen erkundigten. Da bereits im Dezember Artikel zum Projekt zu lesen waren, ist bestimmt die Einsendefrist des 10. Februar über die Feiertage vergessen worden. Deshalb war dieser Artikel nochmals wie eine Art
Aufruf an alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt Pößneck auch Entwürfe einzureichen. Ich vermute und hoffe, dass noch Einsendungen aus Pößneck kommen.

4.) Mich erinnern die vorgegebenen Maße an Verkehrsschilder, ist diese Assoziation beabsichtigt? Und wenn Ja warum diese Einschränkung?

Die Maße sind von Verkehrsschildern. Das sind bewußt gewählte Zeichen, die jeder aus dem Straßenverkehr kennt.
Warum empfinden Sie die Reduzierung auf drei Formen als Einschränkung?

Ich empfinde Kunst als etwas freies und auch überraschendes, insofern wundert mich die Festlegung auf die Form schon ein wenig. Auf der anderen Seite ist die Festlegung auf bekannte Formen (aus dem Straßenverkehr) für mich auch nachvollziehbar. Ich empfinde es als Einschränkung da ich der Meinung war, das bei einem Kunstprojekt die Künstler über Form und Art ihrer Exponate selbst entscheiden. Aber meine Erfahrung mit Kunstprojekten ist auch sehr überschaubar.

Kunst an sich ist auch frei. Doch handelt es sich hier nicht um eine frei kuratierte Ausstellung, Performance oder Happening, sondern um ein politisches Kunstprojekt, in welchem es darum geht, dass Zeichen sinnvoll gesetzt werden. Wenn wir z.B. freie Skulpturen vor das Schützenhaus platzieren würden, könnte dies durchaus missverstanden werden. Der Charakter des Zeichens ist schon bereits durch das Schild vermittelt. Was jeder Künstler, wie frei aus den drei Motiven (rund, dreieckig, quadratisch) macht, ist hier die Freiheit. Ich bin mir sicher, dass die von den Künstlern gestalteten Schilder auch überraschend wirken werden. Gerade der alltägliche Blick wird durch die Schilder als Zeichen gestört werden und Aufmerksamkeit errregen. Da bin ich schon sehr gespannt, wie in der Ausstellung die Entwürfe aufgenommen und besprochen werden und welche acht Motive gewählt werden.

5.) Wie wird die Jury bei der Ermittlung der Sieger vorgehen und in wieweit findet die Meinung der Bürger, bei der Ausstellung der Projekte, Beachtung?

Es werden alle Entwürfe vom 20. Februar (Eröffnung um 19 Uhr im Steinweg 14 / 16) den Bürgerinnen und Bürgern präsentiert. Bis zum Donnerstag, 5. März
können die Entwürfe Mo-Fr von 9 - 12 und 14 - 18 Uhr betrachtet werden. In dieser Ausstellung liegt ein Gästebuch aus, in welchem jeder Besucher
seine Meinung, seine Favoriten, seine Kritik eintragen kann. Darauf legen wir besonderen Wert.
Bei dem Treffen der Jury werden nochmal alle Entwürfe vorgestellt, dann das Gästebuch vorgetragen und dann unter Berücksichtigung der Meinung der Bürger sich für 8 Entwürfe entschieden.

6.) Was erwarten Sie für Reaktionen auf die Schilder? Haben Sie Bedenken das die Schilder Vandalismus zum Opfer fallen könnten?
Aufmerksamkeit, Auseinandersetzung, Bereicherung, Ermutigung, Gespräch, Diskussion und hoffentich kein Vandalismus.

7.) Warum die Fixierung auf die Zahl 8 bei der Anzahl der Schilder? Die Zahl wird, von rechten Gruppierungen, sehr häufig als Code für den Buchstaben H (wie Hitler) verwendet.

Da alle Zahlen eine Bedeutung in dieser Szene haben, hätten wir uns unter Berücksichtigung aller Bedeutungen für keine entscheiden können.
So beschlossen wir auf Grund der räumlichen Möglichkeit und was sinnvoll ist. Acht Schilder sind nicht zu viel und nicht zu wenig.

Ich möchte mich hier noch einmal ber Frau Aichele-Elsner für die Beantwortung der Fragen bedanken.

PN-Blog
05.05.2013, 14:00
Ich glaub es einfach nicht!! In Deutschland!! werden wieder Andersdenkende mit Schildern ausgegrenzt?? Bleib zu hoffen das sie keine Sternenform haben. Hat die junge Frau wirklich nicht so weit gedacht. Das sind doch mehr oder weniger die gleichen Methoden nur mit anderem Vorzeichen. Mein Gott, sind wir wirklich schon wieder so weit das wir uns nicht mehr mit der Meinung des Anderen, auch wenn sie falsch scheint, verbal auseinander setzten können? Mal abgesehen, vom sicher zweifelhaften künstlerischem Wert, ist es eine Schande für die Stadt, die mitmachen und für die Initiatoren allemal.

PN-Blog
05.05.2013, 14:00
Den künstlerischen Wert einzuschätzen ohne ein Werk gesehen zu haben ist ja recht optimistisch und worin die Schande besteht erschließt sich mir auch nicht auf den ersten Blick.

Die VORGEGEBENEN Formen sind Verkehrsschildern nachempfunden, ist aus dem Text eigentlich klar ersichtlich. Danke fürs lesen.

Einem gepflegtem Dialog mit gewissen Regeln (die der Höflichkeit entspringen) steht nichts im Wege.

PN-Blog
05.05.2013, 14:01
Jede Art und Weiße ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Anitsemitusmus zu setzen ist richtig und unumgänglich. Und ich finde es auch sträflich rechte Gedanken nur “Gedanken Andersdenkender” zu nennen; abgesehen davon das ich noch keinem Nazi begegnet bin der wirklich über sein Tun, Handeln und seine beschränkte Einstellung nachgedacht hat. Richtig ist vielmehr das sich links und rechts in der Art und Weiße ihrer Selbstdarstellung kaum unterscheiden. Das trifft insbesondere den Umgang und den “Kampf” der Anhänger beider Lager untereinander. Man muß sich also auch fragen ob den Rechten, bzw. der NPD generell zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Denn schlechte Werbung ist besser als gar keine Werbung. Hier sollte man seine Augen allerdings nicht nur nach rechts richten… Zweifel an der Wirkung solcher Kampagnen wie hier vor dem Schützenhaus sind durchaus berechtigt. Aber wenn es schon die Politik nicht schafft gegen jegliche politisch orientierte Gewalt vorzugehen muß die Gesellschaft diese Aufgaben übernehmen. Ich persönlich wünsche mir das rechtes Gedankengut und Kapital aus unserer Stadt verschwindet und das Schicksal des Schützenhauses eines Tages wieder in den Händen unserer Stadt liegt. Wenn gleich die Aktion der “Toleranzgrenze” uns hier wohl eher nicht weiterbringt.

PN-Blog
05.05.2013, 14:01
Genau… das Schützenhaus muss wieder in die Hand der Stadt, dann ist endlich Schluss mit diesen ganzen Quatsch !!!

PS: Mach doch eine neue Umfrage zu diesem Thema.

PN-Blog
05.05.2013, 14:01
Ich denke, es ist durchaus gut so, dass dieses Projekt umgesetzt wird. Es wurde ja bereits mehrfach darüber in der örtlichen Presse berichtet, schon allein deshalb kann ich die Kritik (siehe erster Kommentar) nicht ganz nachvollziehen…

Ich meine damit, es dürfte doch den Bürgern (zumindest denen, die sich über ihre Satdt informieren) längst bekannt gewesen sein, in welcher Form die “Toleranzgrenze” “markiert” werden soll (in Form von Schildern, die an Verkehrszeichen angelehnt sind).

Der Vergleich mit der “Sternenform” hinkt gewaltig, zumal diese Symbolik gerade von den “Andersdenkenden” im nationalsozialistischen Deutschland missbräuchlich verwendet worden ist.

Ich bin auch davon überzeugt, dass die Aktion “Toleranzgrenze” gewiss kein Ersatz für eine verbale Auseinandersetzung mit der Problematik darstellt! Im Gegenteil ist sie meiner Meinung nach ein guter Versuch, die Öffentlichkeit zunächst “bildlich” anzusprechen und somit eine verbale Diskussion anzuregen.

(einmal ganz davon abgesehen, dass dies ein Kunstprojekt ist und wir zum Glück in einer grundsätzlich demokratischen Gesellschaft leben. Diesbezüglich sei auch einmal das Grundgesetz als Lektüre empfohlen, in welchem sich diverse Grundrechte wiederfinden…)

Natürlich bleibt fraglich, ob das Projekt erfolgreich sein wird oder welche Impulse damit gesendet werden.

Wir durften ja leider bereits bei anderen Kunstprojekten in Pößneck Vandalismus als Reaktion erleben und ich habe die böse Vorahnung, dass dies auch den “Grenzschildern” am Schützenhaus bevorsteht. Das wäre jedoch wieder einmal mehr Ausdruck dessen, dass sich gerade die “Andersdenkenden” keiner verbalen Auseinandersetzung stellen bzw. nicht mit derartigem umgehen können.

Auch wichtig und gut finde ich, dass zum Beispiel gerade die Stadt dieses Projekt toleriert und mit trägt, denn auch das ist ein Zeichen, dass man Fremdenfeindlichkeit und neonazistische Tendenzen als Stadt nicht einfach so hinnimmt.

Auch mein persönlicher Wunsch ist es, dass das Schützenhaus irgendwann einmal wieder allen Bürgern der Stadt zugänglich ist, denn es gehört einfach zur Stadt(geschichte) Pößneck(s).