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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Stolpersteine in Pößneck



PN-Blog
05.05.2013, 12:03
Erinnerung und Aufklärung an die Vergangenheit sind immer richtig und wichtig. Das Aktionsbündnis Courage (http://www.abc-poessneck.de/index.html), wird in naher Zukunft in Pößneck sogenannte Stolpersteine anbringen. (Ein Bericht (http://www.otz.de/otz/otz.poessneck.volltext.php?kennung=on3otzLOKStaPoe ssneck39505&zulieferer=otz&kategorie=LOK&rubrik=Stadt&region=Poessneck&auftritt=OTZ&dbserver=1) findet sich auch in der OTZ vom 29.02.2008, ich weiß nicht wie lange der Link fkt. ) Das sind Steine mit Erinnerungen an die Opfer der Nationalsozialisten, hier insbesondere an jüdische Deportierte.

Die Aktion ist sicher vom richtigen Willen inspiriert aber für mich sehen die Schilder sehr anklagend aus. Wenn ich als Anwohner oder Passant diese Schilder täglich mahnend auf meinem Weg finde, würde mich das doch sehr stören. Ein zentraler Gedenkplatz wäre sicherlich eine Alternative, würde aber ein wenig dem Konzept widersprechen, die Deportierten als Nachbarn darzustellen.

Wenn man diese Stolpersteine für Opfer von Verbrechen macht, könnte man sie doch auch für verdienstvolle Bürger machen um so auch eine geschlossenere Sicht auf die Geschichte der Stadt zu machen. In Jena zum Beispiel gibt es Gebäude an denen an die dort tätigen Wissenschaftler bzw. Unternehmer gedacht wird. Auch das gehört mit zur Geschichtsbetrachtung einer Stadt. Aber dafür fehlen wahrscheinlich die Aktivisten, obwohl das bestimmt in Pößneck auch nicht schwer wäre solche Gebäude/Persönlichkeiten zu finden.

PN-Blog
05.05.2013, 12:03
Das die Stolpersteine anklagend aussehen ist diskutabel. Aber vielleicht soll sich gerade auch ein “störendes” Gefühl dabei abzeichnen? Wenn Menschen etwas stört, machen sie sich Gedanken darüber. Und genau das ist die Wirkung, welche die Steine vermitteln sollen. Sich explizit Gedanken über Menschen der eigenen Stadt zu machen, die aus rein menschenverachtenden Gründen verfolgt und ermordert wurden. Zentrale Gedenkplätze würden dies nicht annähernd schaffen, obwohl das ihrer Existenz natürlich nicht entgegensprechen soll. Zum einen finden wir sie in fast jeder Stadt bishin zu kleinen Dörfern. Sie sind wichtig, gedenken aber mehr den Opfern des 2. Weltkrieges insgesamt.
Die Stolpersteinen sollen gerade, wie Andreas Loppnow auch geschrieben hat, die Nachbarschaftssituation focusieren.

Schilder an Gebäuden für verdienstvolle Bürger hat Pößneck auch, sicher nicht in dem Umfang wie in Jena, aber der Grund hierfür läßt sich sicher leicht finden.

Schöne Grüße

PN-Blog
05.05.2013, 12:03
Jede Art von rechtsextremen und antisemitischen Gedankengut muss im Keim erstickt werden, darüber braucht man nicht zu diskutieren. Die Gegenwart zeigt uns immer wieder auf warum. Die Installation der „Stolpersteine“ sehe auch ich im Grunde und als Mahnmahl gut. Jedoch muss ich auch sagen das ich Andreas ein gutes Stück verstehen kann und Recht geben muss. Die Verbrechen der NS-Diktatur waren grausam und menschenverachtend und dürfen sich nicht wiederholen. Nur finde ich es traurig unsere deutsche Geschichte immer nur auf diese Zeit reduziert und eingegrenzt wird und wir unser heutiges Tun und Handeln damit rechtfertigen müssen. Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden, es ist richtig und wichtig gegen Rechts zu kämpfen und an seine Opfer zu erinnern. Doch es gab auch große Verbrechen in Deutschland unter den Kommunisten, es gab eine friedliche Revolution mit Demonstrationen auch in PN. Berühmte oder bekannte Menschen kommen von hier. An diese Zeiten und diese Menschen muss im gleichen Verhältnis erinnert werden. Denn gerade die Erlebnisse der Wendejahre sind die geschichtlichen Ereignisse an denen wir persönlich teilgenommen haben und die uns geprägt und verändert haben. Was unsere „Großelterngeneration“ verbrochen hat darf uns nicht ständig verfolgen oder gar einholen. Ich sehe es aber so, dass die Menschen auf den Steinen vorrangig als „Bürger von Pößneck“ angesehen werden sollten mit denen auch ein Stück Stadtgeschichte und Stadtentwicklung verbunden ist. Und genau aus diesem Grunde sollten hier auch andere verdienstvolle Bürger der Stadt einen unübersehbaren Platz bekommen.

PN-Blog
05.05.2013, 12:04
Ihr seid ja beide der Meinung, das verdienstvoll Bürger ausgezeichnet und einen unübersehbaren Platz bekommen. Dann mach ich euch den Vorschlag, wenn ich noch nicht selbst drüber nachgedacht habt, so etwas man zu planen und in die Wege zu leiten.
Reden kann man schließlich viel.

Schöne Grüße

PN-Blog
05.05.2013, 12:04
Lieber Sebastian! Zwischen deinen Zeilen lese ich das du meinen Artikel nicht richtig oder falsch verstanden hast. Bitte lies ihn dir noch einmal in Ruhe durch! Du reduzierst ihn nur auf die von uns angesprochenen „bekannten Personen“. Wir leben zum Glück in einem Land in dem man seine Meinung frei äußern darf, das war nicht immer so…und das haben wir getan.
Ich begrüße die Aktion der „Stolpersteine“. Will aber auf ein gesamtgesellschaftliches Problem aufmerksam machen. Das Problem der Bewältigung unserer Vergangenheit. Aber das sollte hier nicht im Zusammenhang mit der Aktion der „Stolpersteine“ geschehen. Dein Zitat: „Reden kann man schließlich viel.“, ist hoffentlich nicht auf Andreas und mich bezogen. Wenn du uns richtig kennen würdest, dann wüstest du das wir beide uns in PN gesellschaftlich und politisch engagieren. Und das recht breit gefächert…

Schöne Grüße zurück!

commaik
05.05.2013, 12:05
Ich muß ehrlich sagen das ich an der Idee dieser Stolpersteine keinen Gefallen finde.

Und ich weiß auch das allein diese Aussage mich automatisch ins rechte Licht rücken wird obwohl dies nicht so ist.

Aber meiner Meinung nach spiegelt dies das typisch deutsche Problem wieder. Wie schon thomas geschrieben hat reduzieren wir Deutschen uns immer nur auf unsere “Kriegsgeschichte”. Das Volk der Dichter und Denker wird m. Meinung nach zu oft verdrängt.

Wehred den Anfängen heist es so schon. Leider aber immer nur mit dem blick nach Rechts.
Hier sollte man allen Anfängen radikalem Gedankengutes vorbeugen…egal woher es kommt.

Zu den Steinen nur soviel. Gerade die jugen Menschen die sich nicht mehr mit den Nazis von einst identifizieren können und einfach keine Lust auf die ewigen Vorhaltungen haben werden mit diesen Steinen in die Rechte Richtung gestoßen! Getreu dem Motto, du bist Deutschland, du bist Schuld!

Politisch kann ich eine solche Meinung natürlich nicht vertreten…Aus Prinzip wäre jeder gegen mich ganz gleich seiner persönlichen Gedanken..die eben nicht frei sind wie so oft geschrieben wird.

Eines zusammenfassend.
Mein Freundekreis ist Multi-Kulti. Ich wähle liberal und bin ein Freund des Kapitalismus.

PN-Blog
05.05.2013, 12:05
Also vielleicht, um einige Dinge nochmal klarzustellen, da ich denke, wir reden in gewissen Dingen aneinander vorbei.
Zu commaik: Diese Aussage wird dich nicht ins rechte Licht rücken. Als wir (ABC) vor zwei Jahren auf die Stolpersteine stießen, wussten wir, dass dies auch zu kritischen Diskussionen führt, aber genau das wollen wir auch. “Keine Lust auf die ewigen Vorhaltungen” sehe ich zum einen nicht, zum anderen verfolgen wir ein ganz anderes Ziel. Du schreibst, dass die jungen Leute sich nicht mehr mit Nazis identifizieren und keine Lust mehr drauf haben. Genau darum geht es! In Pößneck gibt es ein durchaus breites Spektrum an Jugendlichen, dass sich sehr wohl mit Nationalsozialismus identifiziert und zum anderen geht es uns darum, die Geschichte überhaupt aufzuarbeiten. Das gibt es in Pößneck nämlich nicht, außer in ein paar Bildern. Wehred den Anfängen, eben nicht (nur) nach rechts sondern in die Mitte der Gesellschaft! Das wir uns als ABC eben dieses Thema “rausgesucht” haben, ist einfach.
Dichter und Denker verdrängen wir nicht!
Wer uns kennt und weiß, warum wir uns gegründet haben, wird erkennen, dass das Thema Stolpersteine einfach in unsere Vorstellung passt, Geschichte aufzuarbeiten.

PN-Blog
05.05.2013, 12:06
…und dennoch ist es so das die heutige Jugend mehr über Rechts weiß als früher und sich zum Glück auch damit auseinander setzt. Es ist Tatsache das es in PN rechte-, oder dafür anfällige Jugendliche gibt. Nur bezweifel ich das man mit diese mit solchen Aktionen von ihrem Irrweg abbekommt. Vielmehr ist es doch so das sich die Rechten von Linken-Aktionen provoziert fühlen, und andersherum genauso. Die erneut eingeschlagenen Fenster in der Breiten-Str. sind leider der Beweiß. Ich will damit auf keinen Fall sagen das man das Problem “Rechts” unter den Tisch kehren soll,oder nicht s gegen braunen Dreck unternehmen soll, aber eine politische Lösung wäre mir schon lieber. Denn die, die ihr mit den Stolpersteinen eigentlich erreichen wollt, die werden nur darauf spucken.
Und das meine ich, wenn ich sage wir reduzieren unsere Geschichte nur auf ein Thema. Wir lassen uns ja selbst keine Chance da wieder rauszukommen. Der Kampf zwischen Links und Rechts ist kein politischer-,sondern ideologische Kampf!

PN-Blog
05.05.2013, 12:08
Hallo Leute,

endlich komme ich dazu in die Diskussion einzusteigen. Es wurde schon viel gesagt und das ganze ähnelt einem Schlagabtausch. Die Diskussionsbeiträge zeigen, wie schnell sich Emotionalität mit Sachlichkeit bei diesem Thema vermischt.

Zum Projekt:
Die Stolpersteine erinnern an einzelne Menschen. Menschen die vergessen wurden, über deren Schicksal bisher nicht gesprochen wurde – weder öffentlich, noch lokalgeschichtlich.
Konkret geht es um die Opfer des “nationalsozialistischen Systems” für die es in Pößneck keinen Erinnerungsort gibt. Auf der Homepage des Künstlers Gunther Demnig ist der Opferkreis benannt. (www.stolpersteine.com)

Das Projekt genießt internationalen Ruf und wurde auf vielfältige Weise ausgezeichnet. Pößneck, als Ort mit “braunen” Ruf, würde dann neben anderen Städten stehen, die ein Signal setzen und etwas tun, was seit über 60 Jahren nicht passiert ist: Sich einer unfassbaren Geschichte stellen!
Die viel beschworene “Auseinandersetzung mit der Nazizeit” fand doch in den Köpfen der Menschen und in der öffentlichen Debatte noch gar nicht statt.

Zur DDR-Geschichte:
Das ABC möchte sich in naher Zukunft, wenn wir die “Dokumentation der NS-Zeit” abgeschlossen haben, genau diesem Kapitel der Geschichte widmen. Wir möchten gerne Ausstellungen und Bildungsveranstaltungen zur “DDR-Geschichte” durchführen.
Der Totalitarismus in den 40 Jahren des “real existierenden Sozialismus” wird all zu oft verniedlicht oder nostalgisch verklärt.

Diskurs:
Es muss sich bei dem Projekt “Stolpersteine” eigentlich niemand gestört fühlen. Die Steine sind ja keine große Sache. Sie liegen vor einem Haus zu dem es eine Geschichte gibt.

Das Projekt richtet sich nicht gegen den heutigen Rechtsextremismus bzw. es ist nicht Bestandteil eines “Kampfes von Links gegen Rechts”. Es geht, um die neutrale Erinnerungskultur der Stadt Pößneck. Es bietet sich somit eine Chance für die positive Gestaltung des Stadtlebens.

“Zukunftsmusik”
Die Steine bieten vor allem für Schulen und Besuchergruppen einen Anreiz. Ausgestattet mit einem “Stolperstein-Stadtplan” wird Geschichte lebendig – dort können auch andere Gedenkorte eingebaut werden.

“Verdiente Persönlichkeiten”:
Die deutsche und damit auch die Pößnecker Geschichte ist natürlich mehr als nur “NS-Zeit”. Es ist eine interessante und vielgestaltige Kulturgeschichte, die es zu erzählen gibt. Viele tolle Menschen, viele wichtige Erkenntnisse – klar. Jedoch hat das herzlich wenig mit einem derzeitigen “Kernproblem” der “Deutschen” zu tun und das ist eben ein braunes. Längst haben es extremistische Organisationen geschafft in der sogenannten “Mitte” der Gesellschaft an zu kommen – nicht nur in Pößneck passiert sowas.
Ich gleite ab…

David Jakob Binder, geboren in Czernowitz, lebte seit 1906 in Pößneck. Innerhalb weniger Jahre genoss er einen außerordentlich guten Ruf, sein “Kaufhaus zur goldenen Ecke” war überall im Umland beliebt und bekannt. Er heiratete hier und hatte zwei wohlerzogene Kinder. Er engagierte sich für die jüdische Kultur und richtete einen Betsaal für andere Juden in Pößneck ein.

Ihm wurde nach dem Pogrom am 10. November 1938 alles genommen. Er starb zwei Tage bevor sein Sohn Buchenwald verlassen durfte und zwei Tage nachdem er seine Firma löschen musste.
Die “Arisierung” bedeutete das AUS. Die Frau, die Tochter ermordet in den KZs. Der Sohn geflüchtet. Menschen…Namen…Identitäten

Ich freue mich, dass wir hier eine Möglichkeit zum Austausch haben.
Kompliment für den Blog.

Grüße

Philipp

PN-Blog
05.05.2013, 12:09
Hallo Philipp!

Deine Ausführungen spiegeln deine interessanten Artikel aus der OTZ wider. An diesem Haus endete leider ein Stück Pößnecker Geschichte und Pößnecker Bürgertum. Darum sind Erinnerungen an die Umstände die an das Ende einer Ähra erinnern richtig und wichtig. Nur wie ich schon sagte, finden fast alle solche Erinnernungen nur im Zusammenhang mit der NS-Zeit statt, bzw deren Opfer. Meiner Meinung nach kommen die Zusammenhänge, Verdienste und die Verbindungen gerade solcher Menschen zu ihrer Stadt oft zu kurz. Das ist hier auf Grund deiner öffentlichen Artikel nicht der Fall. Ich denke aber das bei den Menschen deutlicher ankommt das hier Menschen existierten an die man sich als solche, als Pößnecker Unternehmer erinnert. Ob, oder das das Juden oder andere Gruppen sind spielt wohl eine untergeordnete Rolle.
Meine Meinung über Gedenkorte der Verbrechen der Nazis haben sich leider mit dem Bau des “Stehlenfeldes” in Berlin gewandelt. Hier ist meiner Meinung nach eine gewisse zeitliche und politische Grenze überschritten worden. Aber das ist ein anderes Thema. In Erinnerung an eine Pößnecker Kaufmannsfamilie haben die Stolpersteine jedenfalls meine Unterstützung.

PN-Blog
05.05.2013, 12:10
Ich habe in Jena studiert und war danach eine Weile in Haifa (Israel). In jene4r Zeit, so habe ich es in der Abwesenheit aus deutschen medien erfahren, nahmen Rassismus und Antisemitismus aufs übelste zu. Daher finde ich die Idee gut, auf etwas auffälligere Weise auf die Verbrechen der vergangenheit hinzuweisen. Ob es hilft? Vielleicht nicht so sehr, wie es isch die nitiatoren (und ich ebenfalls) wünschen, aber auch wenn ein geringer Teil der Bevölkerung ins Nachdenken kommt und dadurch weniger gleichgültig wird, ist etwas getan, zumindest ein Anfang.

Falls Nachfahren der Binders mitlesen: Drishat shalom lechajfa! Israel eretz mijuchedet! Kol tuv veharbej hatslacha!

commaik
05.05.2013, 12:11
Was heisst denn das:

Falls Nachfahren der Binders mitlesen: Drishat shalom lechajfa! Israel eretz mijuchedet! Kol tuv veharbej hatslacha!

PN-Blog
05.05.2013, 12:12
Zunächst einmal muss ich sagen, ist es wirklich sehr interessant, eine solche Diskussion in der Retrospektive zu betrachten. Das gibt einem die Möglichkeit, einzelne Kommentare bzw. Kommentatoren nochmals im Zusammenhang des Diskussionsverlaufes zu beurteilen und zu bewerten.

Warum ich nun jetzt noch einen Kommentar verfasse?

Nun, heute morgen fand ich in meinem Briefkasten in Leizig eine Einladung zur Verlegung von Stolpersteinen… unter anderem genau vor dem Eingang zu meiner Wohnung. An jenem Ort wohnten also Leipziger Bürger, die schließlich nach Theresienstadt deportiert wurden.

In Leipzig wurden bislang 94 Stolpersteine verlegt, sie widmen sich dem individuellen Andenken an die durch die Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Menschen. Die Steine mit dem Maß 10x10x10 cm sind ebenerdig auf Gehwegen verlegt.

http://www.stolpersteine-leipzig.de/

Ich möchte mir einen Kommentar zur bereits heftig diskutierten Thematik “Du bist Deutscher, Du bist schuld…” eigentlich verkneifen, schaffe dies aber nicht ganz…

Denn ich glaube, damit hat der eigentliche Sinn dieses Projektes nichts zu tun.

Interessant ist diesbezüglich auch, dass es spontan und gehäuft genau diese Assiziationen in Form von Kommentaren gibt, die meiner Meinung nach den Schluß zulassen, dass die betreffenden Kommentatoren sich in der Tat schuldig oder gar verantwortlich dafür fühlen, was im Nationalsozialismus passiert ist.

Wenn doch aber dieses “Wir sind schuldig für das, was unsere ‘Großelterngeneration’ getan hat und wir reduzieren unsere Geschichte nur auf diese Zeit und wir müssen unser heutiges Tun und Handeln diesbezüglich rechtfertigen”-Gefühl so vehement verabscheut wird, warum wird dann so heftig darüber diskutiert? Warum verhalten sich diese Menschen nicht genau entgegengesetzt?

Was ich damit versuche zu sagen: Das Projekt “Stolpersteine” provoziert meiner Meinung nach eben genau NICHT das SCHULD-Bewusstsein der Bürger frei nach dem Motto “Seht nur her, das habt Ihr Deutschen verbockt, daran werdet Ihr noch in aller Ewigkeit zu knabbern haben…” , sondern will vielmehr erinnern und das Bewusstsein lebendig halten, was damals passiert und vor allem von Teilen der Bevölkerung toleriert wurde. Das Problem von Rechtsextremismus und Fremdenhass sowie der Verfolgung Andersdenkender war und ist mit Sicherheit kein rein deutsches Problem, sondern trat und tritt weltweit auf. Das weitaus größere Problem jedoch sind wachsende Gleichgültigkeit und Desinteresse in der Bevölkerung, nicht nur in Pößneck…

Für mich – eben auch als Pößnecker Bürger – ist diese Aktion vor allem aber auch vor einem anderen Hintergrund deutlich interessanter, nämlich wieder etwas mehr von der Pößnecker Geschichte zu erfahren. Dazu gehört für mich auch z.B. die Geschichte der jüdischen Bürger in Pößneck. Wo haben sie gelebt, wie haben sie gelebt? Aber auch: Was wurde aus Ihnen während der Verfolgung im Nationalsozialismus, die sicher auch vor Pößneck nicht Halt machte.

In diesem Sinne begrüße ich solche Aktionen und Projekte, weltweit – europaweit – deutschlandweit – thüüringenweit – in Pößneck. Hier sei auch meinerseits noch einmal explizit ein Dank an das Aktionsbündnis Courage (ABC) ausgesprochen. Pößneck braucht mehr von solchen Initiativen, aber auch deutlich mehr Courage von jedem einzelnen Bürger.

PN-Blog
05.05.2013, 12:12
Hallo
@Andreas:
du möchtest mehr von und über Pößneck aus und in dieser Zeit wissen? Hier ein Link zu einem wirklich guten Buch:

http://www.google.de/products?hl=de&safe=off&ei=rrjbSf_2NdGLsAbZsY3QCA&resnum=1&q=Buch Arisierung in Thüringen&um=1&ie=UTF-8&ei=tbjbScHJHompsAaghdn5CA&sa=X&oi=product_result_group&resnum=4&ct=title

Zur eigentlichen Diskussion kann und will ich gar nicht viel sagen, abgesehen davon, dass ich die Aktion des ABC voll und ganz verstehe. Natürlich ist das Bündnis keineswegs in der Pflicht, sich Gedanken über Gedenktafeln anderer ehrwürdiger Bürger zumachen, schließlich gibt es hierzu andere Vereine und der Fokus des ABC liegt sicher nicht darauf.
Auch glaube ich nicht, dass man von Schuld sprich, meint man die Zeit zwischen 1933 und 1945, sondern vielmehr von einer gewissen Verantwortung, eine annähernde oder gar ausgeführte Wiederholung dieser Zeit mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln im Keim zu ersticken. Dazu zählt auch die politische Arbeit gegen Rechts. Allerdings sind andere Wege ebenfalls gefragt. “Jedem das Seine” sagte F. Nietzsche und aus dem eigentlichen Zusammenhang des Ursprungstextes dieses Zitats gerissen, will ich damit sagen: Das Widersetzen gegen Rechts kann, soll und muss mit allen Mitteln umgesetzt werden, jeder, wie er es eben am besten kann.
Auch ist das kein eigens “Linkes” Denken, gegen Rechts zu sein! Somit kann man von einer “linken” Provokation und/ oder einem Kampf “Links gegen Rechts” im Bezug auf die Stolpersteine nicht sprechen.

Dennoch, eine angenehme Diskussion…

P.S. wachsen “Ähras” auf Feldern? Oder ist das “h” aus Versehen da mit reingekommen? ;)

PN-Blog
05.05.2013, 12:12
Nachtrag

leider funktioniert der Link nicht. Hier Versuch römisch zwei:

http://www.booklooker.de/app/detail.php?id=300320611&setMediaType=0&pid=8